Wege in Arbeit – Communication Factory GmbH entwickelt neue Strategie zur Personalgewinnung

brehmer.jpgDie Call-Center-Branche sieht sich, insbesondere aufgrund des rasanten Wachstums der vergangenen Jahre, mehr und mehr mit einem Mangel an qualifiziertem Fachpersonal konfrontiert. Allein in Magdeburg arbeiten heute bereits mehr als 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in über 60 Call-Centern.

Dialektfreies Sprechen, ein guter Sprachstil sowie kaufmännisches Talent und Belastbarkeit in Bezug auf Zeit- und Leistungsdruck gehören ebenso zum gesuchten Kompetenzprofil wie persönliche Tugenden, beispielsweise Teamfähigkeit und gegenseitige Rücksichtnahme bzw. Unterstützung. Doch nur sehr wenige Bewerberinnen und Bewerber bringen dieses Kompetenzprofil mit.

Um sich am immer enger werdenden Personalmarkt behaupten zu können, müssen Unternehmen der Branche neue Wege der Personalgewinnung und -bindung erschließen. Es müssen insbesondere neue Personenkreise für die Arbeit im Call Center gewonnen werden. Eine mögliche Perspektive bieten dabei Menschen mit Behinderungen. Diese müssen davon überzeugt werden, dass sie der anspruchsvollen Tätigkeit gewachsen sind. Eine gezielte und aktive Ansprache der Zielgruppe über Öffentlichkeitsarbeit bzw. Arbeitsagenturen und Rentenversicherungen sowie spezielle Angebote für Menschen mit Behinderungen bieten die Grundlage für eine erfolgreiche Personalgewinnung.  

Die Communication Factory GmbH

Die Communication Factory GmbH ist ein modernes Call- & Communication Center, welches im Mai 2002 mit sieben Angestellten gegründet wurde und heute bereits mehr als 340 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an zwei Standorten in Sachsen-Anhalt (Magdeburg und Halberstadt) beschäftigt. Bereits Anfang 2008 soll ein dritter Standort im Norden Sachsen-Anhalts eröffnet werden.

Neben der Gründung neuer Standorte entwickelte die Communication Factory in der Vergangenheit bereits einige Strategien, um der schwierigen Situation am Personalmarkt zu begegnen. Zusammen mit dem DDV setzte sich das Unternehmen für die Einrichtung zweier IHK-Ausbildungsberufe für die Call-Center-Branche ein. Heute werden in der Communication Factory bereits mehr als 20 Auszubildende zur Servicefachkraft bzw. zur Kauffrau/ zum Kaufmann für Dialogmarketing qualifiziert. Mittels einer breiten Öffentlichkeitsarbeit sollten außerdem potentielle Arbeitnehmer erreicht und auf die Arbeitsangebote im Unternehmen aufmerksam gemacht werden.

Die Communication Factory legt ebenfalls einen großen Wert auf die  Mitarbeiterbindung. Dies geschieht vornehmlich über Geld- und Sachleistungen (Prämien, Altersvorsorge, Gutscheine, Sportangebote, Sonderurlaub etc.).

Aufgrund der Einstellung vieler Teilzeitbeschäftigten und Studenten sowie aufgrund des breiten Angebotes an Stellen für Call-Center-Agenten in der Umgebung hatte das Unternehmen jedoch in den vergangenen Jahren verstärkt mit einer erhöhten Fluktuationsrate zu kämpfen. Es mussten neben der Gründung neuer Standorte neue Strategien zur Mitarbeiterbindung entwickelt werden, um langfristig ein Wachstum der Communication Factory zu gewährleisten.

Bereits im Jahr 2004 entschied sich das Magdeburger Call-Center für eine Beteiligung an der Equal-Partnerschaft BIBER (Berufliche Integration von Menschen mit Behinderungen) mit einem eigenen Projekt. 

Die Communication Factory verfügte bereits über positive Vorerfahrungen durch die Beschäftigung mehrerer behinderter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bezüglich der Leistungsfähigkeit und Arbeitsmotivation den anderen Angestellten in nichts nachstanden.

Im Gegenteil:  Das Unternehmen erkannte, dass die Behinderung (z.B. Sehbehinderung) langfristig die Leistungsfähigkeit nicht beeinträchtigt. Menschen mit Behinderungen verbleiben oft länger im Unternehmen und sehen sich selbst in der Pflicht, die eigenen Handicaps durch Fleiß und Stärken auf anderen Gebieten auszugleichen. Des Weiteren verfügen Menschen mit einer Behinderung in weitaus höherem Maße über Einfühlungsvermögen, was sich im Dialog mit dem Kunden am Telefon sehr positiv auswirkt.

Allein der erhöhte Schulungs- und Zeitaufwand in der Einarbeitung war für das Magdeburger Call Center personell nicht zu leisten. So konnten einige aussichtsreiche Bewerberinnen und Bewerber in der Vergangenheit nicht eingestellt oder übernommen werden.

Durch das Projekt Call-Center-Lerninseln im Rahmen der Equal-Entwicklungspartnerschaft BIBER konnten jedoch die Rahmenbedingungen für die Beschäftigung behinderter Arbeitsnehmerinnen und Arbeitnehmer erheblich verbessert werden. Die Teilnehmenden des Projektes wurden durch eine spezielle Fachkraft über einen Zeitraum von durchschnittlich drei Monaten (im Gegensatz zu den zwei Wochen Einarbeitungszeit für alle anderen Agents) qualifiziert. Zudem wurden barrierefreie Arbeitsplätze eingerichtet.

Im Ergebnis entstand eine Integrationsstrategie, die nicht nur auf Menschen mit Behinderungen, sondern auf jede Bewerberin bzw. jeden Bewerber für eine Stelle in der Communication Factory übertragbar ist. Mehr als ein Drittel der Teilnehmenden konnten bisher erfolgreich in den allgemeinen Arbeitsprozess integriert werden.

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(Graphik: Dr. Helga Unger, „Aspekte eines Arbeitsorganisations-Konzeptes in der Communication Factory GmbH unter Berücksichtigung der besonderen Situation von Menschen mit Behinderungen, 2007)


 

 


 


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